Geschichte des Tages
Europas Wetterküche liegt im Atlantik. Dort kommen die Tiefs her, das hat Dr. Peter Polis erkannt und regte bereits 1908 den Austausch von Wetterdaten zwischen Schiffen und Festland per Funk an. "It is believed that the weather forecasting will be about perfect" schrieb dazu die "New York Times".
![]() New York Times, 16.8.1908 |
Am 16. August 1908 berichtet die New York Times von einem Besuch Dr. Peter Polis in den USA. Er sei mit dem Schiff "Kaiserin Auguste Victoria" gekommen. Sein Ziel war eine engere Zusammenarbeit mit den USA, damit die Schiffe Wetterdaten vom Atlantik funkten. Er argumentierte, dass man so allfällige Stürme nicht nur an Land sondern auch auf dem Meer erfassen könnte und die Schiffahrt so sicherer würde. Sein Ziel war, auf diese Weise eine tägliche Wetterkarte zu produzieren, auf der Tiefs und Gebiete mit Eis eingezichnet waren. Und er wollte daraus auch eine 36-Stunde-Vorhersage ableiten.
Peter Polis war Direktor des Meteorologischen Observatoriums Aachen. Er war mit seiner Frau unterwegs und machte bereits auf seiner Reise in die USA etliche Versuche. Er mass die Temperatur, führte Tabellen mit Wetterbeobachtungen und war in täglichem Kontakt mit neun weiteren Schiffen. So versuchte er Karten zu erstellen. Er erkannt auch, dass auf See die Information aus der oberen Atmosphäre fehlte. So epxperimentierte er auf seiner Reise mit einem Drachen, an dem er Messinstrumente aufsteigen liess. Leider ging der Drachen bei einem Absturz kaputt...
"With this system in working order it is believed that the weather forecasting will be about perfect" schreibt die Ney York Times. Eine beachtliche Aussage. 1908 waren die phsyikalischen Gleichungen zu den Prozessen in der Atmosphäre erst im Entstehen. Die Bergengruppe um Bjerknes, die später die Frontentheorie entwickelte, wurde erst 1917 gegründet. Und Lewis Fry Richardson veröffentlichte seine Überlegungen "Weather Prediction by Numerical Process", mit denen eine Berechnung der zukünftigen Entwicklung möglich war, erst 1922.


